Projektbegleitung für die Stadtentdecker an der Sigmund-Jähn-Grundschule in Fürstenwalde

In das Spannungsfeld zwischen innovativer Industrie für die Energiewende im Westen und perforierter Plattenbau-Stadt im Osten des Stadtteils Nord führte diesen Sommer der Stadtspaziergang in Fürstenwalde/Spree. Dies spiegelt auch die Themenfelder wider, die die Klasse 6b der Sigmund-Jähn-Grundschule in der Folge bearbeiten sollte: Zum einen Antworten zu finden auf die Leerstellen, die die Stadt- und Wohnungspolitik der 2000er Jahre hinterlassen hat, zum anderen sich selbst fachlich mit dem Thema Klimaschutz im Rahmen der Stadtgestaltung auseinanderzusetzen.

Im Rahmen eines Workshops wurden die zu bearbeitenden Orte und Themen durch die Schüler*innen selbst festgelegt. Dabei entstand eine große Bandbreite von auf dem Schulhof realisierbarer kleiner Projekte bis hin zu Leuchtturmprojekten, die Fürstenwalde-Nord als Innovationsführer neuer Verkehrsträger etablieren möchte.

Der Schulhof soll auf Wunsch der Schüler*innen mit einem kleinen Fussballplatz und zwei Schulgärten aufgewertet werden. Hier standen Überlegungen wie die Sensibilisierung der Mitschüler*innen in freiwilligen AGs für selbstbewirtschafteten und klimaschonenden Obst- und Gemüseanbau für die Pausenverpflegung im Vordergrund.

Die nach Abriss etwa der Hälfte aller Wohngebäude entstandenen Brachflächen am Konstantin-E.- Ziolkowski-Ring sollen nach den Vorstellungen der Schüler*innen nicht etwa wieder bebaut, sondern für Sport und Spiel genutzt werden. Ein Kletterpark und ein Pool sollen für Bewegung an frischer Luft sorgen und ein besonders trostloser Plattenbauhof mit einem Klettergerüst in Gestalt eines großen Papageis aufgewertet werden.

Einer Reaktivierung der alten Industriebahntrasse für den Stadtteil konnten die Schüler*innen nichts abgewinnen – zu laut und zu altmodisch. Dafür war die Faszination für den in Entwicklung befindlichen Verkehrsträger Flugtaxi zu groß. Dieses soll auf einem neuen Flugtaxiport gleich neben den Gleisen abheben – und wie auch die restlichen Vorschläge CO2 einsparen. Denn abschließend wurden alle Vorschläge im Rahmen des Mathematikunterrichtes auf ihre Klimabilanz rechnerisch überprüft. Hier zahlte es sich vor allem aus, dass die Schüler*innen für die Spielgeräte überwiegend Holz verwendet haben.

In der öffentlichen Präsentation begeisterten dann die mit Hilfe von Schulcomputer und Internet entstandenen fotorealistischen Simulationen der Ideen – eine im Stadtentdeckerprojekt erstmals erprobte Arbeitsweise.

Im Stadtentdeckergespräch brachte Christfried Tschepe, Leiter des Fürstenwalder Stadtplanungsamtes, seine Erkenntnis dieses Projektes auf den Punkt: Angebote für Kinder und Jugendliche wie Schulgärten oder frei benutzbare, bewegungs- und herausfordernde Spiel- und Sportplätze, die vor 40 Jahren noch selbstverständlich waren, werden offenbar wieder vermisst und von der jungen Generation eingefordert. Manchmal helfen die Stadtentdecker auch dabei, verloren Gegangenes oder noch Zukünftiges bei allem Fokus auf die Gegenwart nicht aus dem Blick zu verlieren.

Im Januar 2020 durfte die Klasse ihre Ideen im Fürstenwalder Stadtentwicklungsausschuss vorstellen. Zumindest für die kleineren Projekte auf dem Schulhof wurde hier eine kurzfristige Realisierung in Aussicht gestellt. Mehr dazu in der MOZ:
https://www.moz.de/landkreise/oder-spree/fuerstenwalde/artikel6/dg/0/1/1778418/

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